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Rhein Zeitung
26.05.2015

Gitarrenfestival: Wo Weinen einfach schön ist

by Lieselotte Sauer-Kaulbach

Koblenz. Das England des Goldenen Zeitalters übersetzt Lautenspieler Hopkinson Smith beim 23. Koblenzer Gitarrenfestival in Musik. Er lässt Werke von John Dowland und Anthony Holborne im Kurfürstliches Schloss erklingen und animiert zu einem schwermütigen, aber schönen Seufzen.

Sie war so etwas wie eine "Zeitkrankheit", die Melancholie, trotz des Goldenen Zeitalters, das die Regentschaft Elisabeths I. England im 16. Jahrhundert bescherte, Resultat auch einer vermehrten Beschäftigung mit dem eigenen Ich. Der englische Schriftsteller Robert Burton (1577-1640) spürte ihr als einer von vielen in seiner "Anatomie der Melancholie" nach. Die Musik spielt dabei eine wichtige Rolle, denn: "Viele Menschen werden melancholisch durch das Musikhören, jedoch ist es eine angenehme Melancholie, die die Musik hervorruft; und daher ist sie für diejenigen unzufriedenen, Kummer leidenden, ängstlichen, sorgenvollen oder niedergeschlagenen Menschen ein höchst angenehmes Heilmittel."

Große Gefühle
Ein angenehmes Heilmittel, erst recht dann, wenn es um die Musik des immer schmerzensreichen, melancholischen John Dowland (1563-1626) geht und diese von dem Virtuosen der Laute schlechthin, dem Amerikaner Hopkinson Smith, beim Koblenz International Guitar Festival im Kaisersaal des Kurfürstlichen Schlosses interpretiert wird. Smith lehrt in Basel an der Kaderschmiede der Alten Musik, der Schola Cantorum. Er ist nicht nur Spezialist auf der Laute, sondern auch auf alten Zupfinstrumente wie der Vihuela, der Theorbe und der Barockgitarre - und dies mit einer Eleganz und Raffinesse, die Dowland, einer der wichtigsten und stilprägenden Komponisten der englischen Lautenmusik des elisabethanischen Zeitalters, bei seinen musizierenden Zeitgenossen sicher nicht immer voraussetzen konnte.
Wenn Smith seine Renaissancelaute mit ihrem rechtwinklig abgeknickten Hals zur Hand nimmt, deren Bänder behutsam hinter sich drapiert, fällt nicht nur das Weinen, das melancholisch-tiefsinnige Träumen in den Pavanen und Fantasien Dowlands besänftigend und tröstlich schön aus. Da wird schon das Präludieren beim unvermeidlich häufigen Stimmen zum Genuss. Und schließlich ertrinkt das Konzert ja auch nicht nur in einem Meer von Tränen. Denn es gibt bei Dowland selbst, in seinen Frauenporträts wie "The Shoemaker‘s Wife" oder in der Allemande über "Mrs. White’s Nothing", durchaus lichtere Momente.

Behändes Spiel
Erst recht gilt dies für Werke John Johnsons, Hoflautenist und -komponist Elisabeths I. Nach seinem Tod 1594 hatte Dowland vergeblich auf dessen Nachfolge gehofft - Johnsons Musik war im Gegensatz zu ihm graziöser, höfischer, insgesamt italienischer eingefärbt, nicht nur der von Hopkinson Smith leichtfingrig-mühelos ausgeführten Verzierungen halber. Lichtere Werke sind auch die Tanzsätze voller Witz und Unterhaltsamkeit wie die Variationen des "Carman’s Whistle", das gepfiffene Liedchen des Kutschers. Ähnlich grazil sind auch Kompositionen Anthony Holbornes, der ebenfalls bei Hofe musikalisch aktiv war. Selbst in einer elisabethanischen Weihnachtsmusik bleibt diese Grazie mit süßer Schwermut gepaart. Dass bei den Zugaben doch noch einmal, tieftraurig und berückend schön, die Tränen, die "Lacrimae" John Dowlands aus den Saitenpaaren, den Chören von Smith‘ Laute fließen, ist nahezu unverzichtbar.

 

 

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