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Aller guten Saiten sind 13

by Horst Reischenböck

13/11/12 Intimität als Stärke: Lautenmusik hat wahrscheinlich schon vor einem halben Jahrtausend die Seelen zur Kontemplation angeregt. Beglückende Ruhe, erfüllte Stille: Alles, woran es unserer heutigen hektischen Zeit mangelt, vermittelt die Atmosphäre eines Lauten-Abends. Besonders, wenn der Herr der Saiten Hopkinson Smith heißt.


Er ist ja kein Fremder in Salzburg. Dennoch gehören seine beinahe regelmäßigen Auftritte bei der Bachgesellschaft jeweils zu den Höhepunkten des Konzertjahres: Ein Erlebnis der außergewöhnlichen Art bescherte die Salzburger Bachgesellschaft ihrem Publikum auch mit diesem Gastspiel des bejubelten des Weltklasse-Lautenisten Hopkinson Smith. Ein Abend, der zum Sinnieren anregte: Welche Meisterstücke der abendländischer Musik wären wohl nie entstanden, hätten nicht einst die Mauren von der iberischen Halbinsel aus die Kenntnis von der al-’aud, der arabischen Vorgängerin der Knickhalslaute, in Europa verbreitet? Etliche dieser Pretiosen erweckte der gebürtige Amerikaner Hopkinson Smith am Samstag (10.11.) zu klingendem Leben. Der Solitär dünkte zunächst beinahe zu groß. Das Ohr musste sich erst an die zarten Töne gewöhnen, die dem Nachbau einer 13-saitigen Renaissance-Laute entströmten – und immer mehr verzauberten. Intimität als Stärke: Lautenmusik hat wahrscheinlich schon vor einem halben Jahrtausend die Seelen zu Kontemplation angeregt. Nachdenkliche Innerlichkeit , beglückende Ruhe, erfüllte Stille: alles, woran es unserer heutigen hektischen Zeit mangelt. Hopkinson Smith spielte zunächst Werke der beiden in Rom tätig gewesen Komponisten Francesco da Milano und Giovanni Girolamo Kapsberger: Immer mit kurzen Improvisationen einsteigend, um sich der perfekten Stimmung der Laute zu versichern, und um dann leise, leicht die Saiten eher zu streicheln, denn zu zupfen oder gar scharf anzuschlagen. Die beeindruckenden virtuosen Passagen kamen unaufdringlich, fast beiläufig daher. Mit eigenen Ideen und Improvisationen verband Hopkonson Smith die Stücke von Francesco da Milano. Aus Kapsbergers „Il Primo Libro de Lauto Smith“ präsenteirte der Lautenist drei Werke, die in der grandiosen Gleichmäßigkeitsstudie der "Toccata Arpeggiate" gipfelten. Nach Tänzen von Anthony Holborne der ersehnte Schwenk zu „The English Orpheus“ - John Dowland: Die dem dänischen König Christian als Porträt zugedachte „Galliard“ und weitere auf dem Kontinent entstandene Werke eröffneten diesen Teil, während es dann so richtig „englisch“ wurde: „Semper Dowland semper dolens“ (Immer Dowland immer traurig) wurde berühmt wegen der in der „Lachrimae Pavan“ in Noten gegossenen Tränen. Eine abschließende Fantasie konnte natürlich nicht das Ende sein: Für den begeisterten Applaus bedankte sich Hopkinson Smith humorvoll mit der Zugabe von „Nichts“, einer eben „Nothing“ betitelten Miniatur.

 

 

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